Kann Architektur dabei helfen, neue Ideen anzustoßen und das Zusammenspiel kreativer Köpfe zu fördern? Die Antwort auf diese Frage fällt leicht, wenn man das Merck Innovation Center (IC) in Darmstadt anschaut und auf sich wirken lässt: Geschwungene Linien, inspirierende Raumhöhen, variable Flächen, offene Geometrie und überall Sichtbeton. Ecken und Kanten wurden vermieden, stattdessen in Beton gegossene Dynamik. Eine gläserne Hülle sorgt dafür, dass alles sichtbar bleibt. Schalhaut der Westag & Getalit AG spielte bei der Umsetzung der Betongestaltung eine nicht unwesentliche Rolle, wie Architekt Lars Teichmann aus dem internationalen Architekturbüro HENN gegenüber der Presse betonte.
Nach den Plänen dieses Architektenbüros errichtet die Ed. Züblin AG den Rohbau. Als Sichtbetonanforderungen war ein SB 3 definiert. Begleitet wurden die Sichtbetonaktivitäten vom Institut für Baubetrieb an der TU Darmstadt unter der Regie von Prof. Dr.-Ing. Christoph Motzko. Gerd Ploeger, Gebietsleiter der Westag & Getalit AG, beriet die Baustelle und speziell das Sichtbetonteam, als es um die praktische Umsetzung beim Einsatz der Schalhaut Betoplan Top MF ging.
Weil viele unterschiedliche Faktoren die Qualität des Sichtbetons beeinflussen, hat man mit der richtigen Schalhaut die auf der Baustelle auftretenden Wechselwirkungen besser im Griff. Die hohe mechanische Resistenz der Oberfläche und die UV-Beständigkeit der Betoplan Top MF ermöglichten das zielsichere Erreichen einer robusten aber gleichmäßigen Betonoberfläche. Farblich, so Lars Teichmann, war ein matter, heller Grauton gewünscht.
Schalhaut millimetergenau gerundet
Mit Schalungsplanung und Herstellung war der Schweizer Baudienstleister Implenia AG mit seinem Schalungsbau in Bobenheim-Roxheim beauftragt. Eine vorgefertigte H-20 Holzträgerschalung kam zum Einsatz, auf die die Schalhaut von hinten verschraubt war. Wegen der teilweise sehr engen Radien musste die Schalhaut mittels CNC-gesteuerter Maschinen millimetergenau gefräst werden.
Werksseitig, so Gerd Ploeger, sei die Betoplan Top MF mit einem Melaminharzfilm von 550 g/m² je Seite beschichtet und die Kanten vorversiegelt. Sie werde uneingeschränkt für alle glatten, fugenarmen Betonoberflächen mit erhöhten Anforderungen empfohlen, wie sie auch an dieser Baustelle bestanden.
Lastabtragung durch Treppenhäuser und Aufzugskern
Der an der Frankfurter Straße gelegene Gebäudekomplex mit 5-geschossigem Innovation Center sowie dem ostwärts dahinter platzierten 3-geschossigen Mitarbeiterrestaurant misst 55 m in der Breite und 97 m in der Längsausrichtung. Eine 11 m breite Freitreppe verbindet beide Bauteile. Das markante, vom öffentlichen Straßenraum 40 m zurückgesetzte Innovation Center dominiert als besonderes Highlight die Straßenfront. Der Emanuel-Merck-Platz fungiert als Brücke und verbindet die westlich und östlich der Frankfurter Straße gelegenen Werksteile optisch miteinander.
Das Innovation Center besteht aus fünf oberirdischen und einem unterirdischen Geschoss. Seine Grundriss-Abmessungen betragen 43 m x 52 m, die Gebäudehöhe misst 25 m. Das Mitarbeiterrestaurant ist in der Grundfläche nur unwesentlich kleiner und nur 18 m hoch.
Stahlbetonkonstruktion mit Hohlkörperflachdecken
Ausgesteift und erschlossen wird der Gesamtkomplex durch die Treppenhäuser und den Aufzugskern. Schlanke Stahlbetonstützen, z. T. mit Stahlkernverstärkung übernehmen die Lastabtragung und schaffen durch ihre Optik zusätzliche Transparenz. Das Innovation Center ist ein Stahlverbundtragwerk mit Aufbeton in den Deckenbereichen, das Restaurant ein Betonbau mit Hohlkörperflachdecken auf STB-Stützen.
Die Planer beschreiben die Deckengeometrie des Gesamtkomplexes vereinfacht als den Zusammenschluss zweier gegenüberliegender Quadranten und einer brückenartigen Verbindung dazwischen. Die Decken sind geschossweise um 90° zueinander gedreht und die überwiegenden Geschossflächenteile daher zweigeschossig. Ihre Erschließungskerne liegen an den Enden einer gedachten Mittelachse. Weitläufige Rampen und breite Treppen verbinden bühnenartige Ebenen miteinander. Ein beiläufiges Durchwandern des Hauses fördere das Teilhaben an der Innovation im Unternehmen. Ziel der Architektur sei, das sog. ‚Silodenken‘ zu überwinden und Interaktion und Austausch zu generieren.
Lars Teichmann: „Wir ließen die Projektphilosophie und Vorgaben unseres Auftraggebers dreidimensional wie in ein Origami einfließen. Diese gefaltete, origamigleiche Ordnung im Gebäude, zusammen mit der Besetzung der Mitte durch die Bühnen, lässt einen einzigartigen, kreativen Mittelpunkt entstehen“.
Betoplan Top MF erfüllte alle Sichtbetonanforderungen
Insgesamt ca. 16.000 m³ Transportbeton der Klasse C30/37 bis hin zu C50/60 sowie ca. 2.500 t Bewehrungsstahl waren zum Bau erforderlich. Hohe Aufmerksamkeit bei der Herstellung erforderten besonders die geschwungenen Bauteile. In den unteren Bereichen musste mit Innenrüttlern gearbeitet werden, weiter oben kamen auch Außenrüttler zum Einsatz. Der Neigungswinkel der Schalung und die in der Schalung verbauten hohen Mengen an Bewehrung erforderten die Berücksichtigung spezieller Rüttelgassen, damit der angelieferte Transportbeton der Druckfestigkeitsklasse C50/60 ohne Lunkerbildung eingebaut werden konnte. Mit der melamin-beschichteten Schalhaut Betoplan Top MF verfügte man über eine Großflächenschalungsplatte, die geeignet war, die hohen Sichtbetonanforderungen zu erfüllen. Bis zu sieben Einsätze verzeichnete man mit dieser Schalhaut.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Internet unter www.westag-getalit.com und https://www.merckgroup.com/de/research/innovation-center.html.